Eisenzeit

Wie der Name «Eisenzeit» schon sagt, ist die Epoche vor allem dadurch geprägt, dass Eisen als neuer Werkstoff an Bedeutung erlangte und nach und nach Bronze ersetzte. Die Eisenzeit umfasst den Zeitraum von 800 bis 15 v.Chr. Sie ist in eine ältere Eisenzeit, die sogenannte Hallstattzeit, und eine jüngere Eisenzeit, die Latènezeit, unterteilt.

Eisen – Ein neuer Werkstoff

Die Eisenverarbeitung gehört zu den wichtigsten wirtschaftlichen Veränderungen der Eisenzeit. Eisen ist ein Werkstoff, der bereits im 2. Jt. v.Chr. in Vorderasien verarbeitet wurde. Am Übergang von der Bronzezeit zur Eisenzeit kam das Wissen um die Eisengewinnung und -verarbeitung von Vorderasien über Griechenland und den Balkanraum nach Zentraleuropa. Eisenerz kommt in der Natur häufiger vor als Kupfererz. Doch die Verarbeitung von Eisen ist wesentlich anspruchsvoller als von Kupfer oder Bronze. Eisen schmilz erst ab einer Temperatur von 1538 °C und kann im Gegensatz zu Bronze nicht gegossen, sondern nur geschmiedet werden. Doch Eisen ist stabilerer als Bronze, sodass aus Eisen qualitativ bessere Waffen und Werkzeuge hergestellt werden können.  Die Eisenverarbeitung brachte neben wirtschaftlichen Veränderungen auch gesellschaftliche Erneuerungen mit sich. Neue Handelswege und Gebiete wurden erschlossen, das Siedlungswesen änderte sich, neue Gesellschaftsstrukturen und Machverteilungen bildeten sich aus.

Die Kelten

Die Eisenzeit, insbesondere die Latènezeit, wird als das Zeitalter der Kelten gesehen. Doch wer waren die Kelten? Die Definition und Einordnung dieses Begriffes sind nicht einfach. Der Begriff «Kelten» ist kein Eigenname eines Volkes. Der Begriff stammt von Keltoi, der bei griechischen Autoren wie Hekataios von Milet oder Herodot erwähnt wurde. Als Kelten bezeichneten die Griechen also jene Menschen, die in Zentraleuropa lebten. Die Kelten waren in verschiedene Volksstämme unterteilt. Sie selbst lebten keine Schriftkultur, d.h. sie hinterliessen keine Schriftquellen. Vieles, was wir heute über die Kelten wissen, stammt von griechischen und römischen Autoren. Zur Geschichte und Lebensweise der Kelten schrieben insbesondere römische Autoren wie Titus Livius, Strabon, Diodor und Julius Caesar. Bei den römischen Überlieferungen vermischen sich Mythos, historische Ereignisse und eigene Behauptungen der Autoren.

Keltische Stämme im Gebiet der heutigen Schweiz

Ab etwa 15 v.Chr. gehörte das Gebiet der heutigen Schweiz zum Imperium Romanum. Vorher wurde das Gebiet von verschiedenen keltischen Stämmen bewohnt, die ab dem 2. Jh.v.Chr. von griechischen und römischen Autoren erwähnt wurden. Die Quellen zum Gebiet der heutigen Schweiz werden allerdings erst mit Caesars Berichten zum Gallischen Krieg zuverlässiger. Die Helvetier waren der grösste keltische Stamm, der das Mittelland der heutigen Schweiz bewohnte.

EXKURS: Caesars Kommentar zu den Helvetiern

«Orgetorix war bei den Helvetiern der weitaus vornehmste und reichste Mann. Da er die Alleinherrschaft anstrebte, traf er unter dem Consulat des M. Messalla und M. Piso ein geheimes Abkommen mit dem helvetischen Adel und überredete das Volk mit seiner gesamten Habe aus ihrem Gebiet fortzuziehen. Da sie alle anderen an Tapferkeit überragten, sei es ein leichtes, die Herrschaft über ganz Gallien an sich zu reissen. Es gelang Orgetorix umso leichter, sie in dieser Richtung zu beeinflussen, als das helvetische Gebiet auf allen Seiten an natürliche Grenzen stiess. Auf der einen Seite war es der ausserordentlich tiefe und breite Rhein, der die Grenze zwischen dem helvetischen und germanischen Gebiet bildet, auf der anderen Seite erhob sich zwischen den Helvetiern und den Sequanern das steile Gebirge des Jura, und endlich grenzten auf der dritten Seite der Genfer See und die Rhone das helvetische Gebiet gegen unsere Provinz ab. Diese Lage brachte es mit sich, dass die Helvetier nicht allzuweit umherschweiften und nur schwer mit ihren Grenznachbarn Krieg anfangen konnten. Da sie jedoch kriegerische Menschen waren, litten sie unter diesen Verhältnissen. Im Hinblick auf ihre hohe Bevölkerungszahl und den Ruhm, den sie aufgrund ihrer Kriegstaten und ihre Tapferkeit besassen, hielten sie ihr Gebiet, das sich 240 Meilen in die Länge und 180 Meilen in die Breite erstreckte, für zu klein» Erstes Buch, 2.1 – 3

Gaius Iulius Caesar, Der Gallische Krieg. Übersetzt und herausgegeben von M. Deissmann (Stuttgart 1981)

Literatur

Müller, F. / Kaenel, G. / Lüscher, G., Die Schweiz vom Paläolithikum bis zum frühen Mittelalter. Vom Neandertaler bis zu Karl dem Grossen. Eisenzeit (Basel 1999)
Müller, F. / Lüscher, G. Die Kelten in der Schweiz (Stuttgart 2004)
Stöckli, W. E., Urgeschichte der Schweiz im Überblick (15’000 v.Chr. – Christi Geburt). Die Konstruktion einer Urgeschichte (Basel 2016)

Letzte Änderung: 06.11.2020