Epochenüberblick Bronzezeit

Chronologie

Die Bronzezeit umfasst etwa den Zeitraum von 2200 bis 800 v.Chr. Grob wird die Bronzezeit in die Perioden frühe- mittlere- und späte Bronzezeit gegliedert. Diese werden wiederum in feinere Stufen und Phasen geteilt. Die Chronologie wurde hauptsächlich über die Typologie gemacht, d. h. aufgrund der typischen Fundgattung der jeweiligen Stufe. Im Falle der Bronzezeit sind es Bronzeobjekte. Besonders über Gewandnadeln, Schwerter und Beilklingen kann eine Chronologie aufgestellt werden, da jede Stufe ihre typischen Nadel- und Beilformen hat. Auch absolute Daten spielen eine wichtige Rolle. Hierfür wird vor allem auf Hölzer aus Seeufersiedlungen zurückgegriffen, die mittels Dendrochronologie datiert werden (siehe Kapitel «Datierung»).

Materielle Hinterlassenschaften

Frühe Bronzezeit (FBZ)

In der Übergangsphase vom Neolithikum zur Bronzezeit wurde vermehrt versucht, Bronze herzustellen. Bronzeobjekte bilden somit auch die Leitformen der FBZ. Dazu gehören Gewandnadeln wie Ruder- und Scheibennadel, die sogenannte Horkheimnadel, Ösen- und Schleifenkopfnadeln sowie die Flügelnadel. Auch gehören Ösenhalsringe, Dolche und Randleistenbeile zu den typischen Funden der frühen Bronzezeit.

Abb. 1: Frühbronzezeitliche Scheibennadeln (Nach Bill 1995; David-Elbiali 2000; Suter et al. 2005; Hundt 1958; Schubert 1973; Novotna 1980 in Stöckli 2016)
Abb. 2: Grabinventar eines frühbronzezeitlichen Grabes aus Thun-Renzenbühl BE. 1-6 Ösenhalsringe; 7 Band (Rest einer Kopfbedeckung?); 8 Gürtelschnalle; 9-10 Rautennadeln; 11 Randleistenbeil; 12 Vollgriffdolch (Nach Abels 1972; Bocksberg 1978 in Stöckli 2016)

Mittlere Bronzezeit (MBZ)

In der MBZ werden die Metallobjekte der FBZ weiterentwickelt, sie ändern sich jedoch in Form und Aussehen. Zu den typischen Funde der MBZ gehören Vollgriffdolche, Randleisten- und Absatzbeile, Lappenbeile und Sicheln. In der MBZ gehören auch Schwerter zu den typischen Fundgattungen. Diese sind meistens kurz und haben eine trapezförmige oder runde Griffplatte. Bei der Keramik ist besonders Grobkeramik in einer grossen Menge erhalten. Dazu gehören Küchengeschirr und Vorratsgefässe.

Abb. 3: Nadeln der mittleren Bronzezeit aus Lumbrein-Cresta petschna (GR) (Nach Spindler 1972/73 in Stöckli 2016)

Späte Bronzezeit (SBZ)

Wichtige Nadel-Leitformen der späten Bronzezeit sind Vasen- und Mohnkopfnadeln, Kugelkopfnadel, Bombenkopfnadeln und die Binnigennadel. Ab der SBZ lösen nach und nach Messer die Dolche ab. Die Messer waren teilweise mit Gravuren und einem Dorn am Griff verziert. Auch Schwerter, besonders das sogenannte Rixheim-Schwert, gehören zu den Leitfunden. Bei der Keramik sind ab der SBZ auch Feinkeramik überliefert. Erstmals kommen mehrfarbig verziert Gefässe vor.

Abb. 4: Nadel und Messer der späten Bronzezeit

Bronzezeitliche Siedlungen

Aus der FBZ sind diverse Seeufersiedlungen erhalten, die die Ufer Schweizer See säumen. Dies ist eine Weiterführung der neolithischen Siedlungsweise (siehe Kapitel «Die Pfahlbauer»). Neben den Seeufersiedlungen sind auch Land- und Höhensiedlungen nachweisbar. Landsiedlungen sind aufgrund der Erhaltungsbedingen archäologisch schwer zu fassen. Höhensiedlungen hingegen sind besser erforscht. In der Schweiz wurde besonders im Rhonetal (z.B. Padnal, Cazis-Cresta) und im Engadin Höhensiedlungen archäologisch untersucht. Ab der späten Bronzezeit kommen vermehrt auch befestigte Siedlungen auf. Diese können Anzeichen auf Konflikte unter den Menschen sein. Häuser in alpinen Siedlungen wurden recht einheitlich gebaut. Meistens mit einem Fundament aus Steinen und Wänden aus Holz. Befestigte Siedlungen sind nicht nur in der Alpenregion zu finden, sondern praktisch in ganz Europa.

Wovon lebten die Menschen?

Die Menschen der Bronzezeit lebten vorwiegend von der Landwirtschaft. Im Hinterland der Seeufersiedlungen wurden Weizen, Gerste, Dinkel, Emmer, Hülsenfrüchte, Flachs und Mohn kultiviert. Auch die Viehhaltung war eine wichtige Subsistenzweise. Ab der Bronzezeit wurde das Pferd als Haustier gehalten. Gelegentlich wurden auch Hirsche, Wildschweine oder Vögel gejagt. Die Menge an gefunden Tierknochen in Siedlungen deuten aber darauf hin, dass die Jagd eher eine untergeordnete Rolle spielte. Ein wichtiger Wirtschaftszweig, der in der Bronzezeit aufkam, ist die Metallverarbeitung (siehe Kapitel «Metallurgie in der Bronzezeit»). In den alpinen Regionen wurde Kupfererz abgebaut und zu Bronze verarbeitet. Mit den Metallobjekten entstand auch ein Handelsnetz über weite Gebiete hinweg.

Literatur

David-Elbiali, M./ Hafner, A., Gräber, Horte und Pfahlbauten zwischen Jura und Alpen – Die Entwicklung elitärer sozialer Strukturen in der frühen Bronzezeit der Westschweiz. In: Meller,
De la Casa, P., Switzerland and the Central Alps. In: Fokkens, H. / Harding, A. (Hrsg.), The Oxford Handbook of the European Bronze Age (New York 2013)
Hafner, A., Die Frühe Bronzezeit in der Westschweiz. Funde und Befunde aus Siedlungen, Gräbern und Horten der entwickelten Frühbronzezeit. Ufersiedlungen am Bielersee, Vol. 5. (Bern 1995)
Harald & Bertemes, François (Ed.). Der Griff nach den Sternen: wie Europas Eliten zu Macht und Reichtum kamen (Halle 2010) 217-238.
Harding, A., Warriors and weapons in Bronze Age Europe (Budapest 2007)
Harding, A.F., European societies in the Bronze Age (Cambridge 2000)
Hochuli, S./ Niffeler, U./ Rychner, V. (Hrsg.), Die Schweiz vom Paläolithikum bis zum frühen Mittelalter III. Bronzezeit (Basel 1998)
Stöckli, W., Urgeschichte der Schweiz im Überblick (15’000 v.Chr. – Christi Geburt). Die Konstruktion einer Urgeschichte (Basel 2016)

Letzte Änderung: 05.11.2020