Mythen und Götter der Griechen

Die Griechen und Römer hatten eine polytheistische Religion, d.h eine Religion mit mehreren Gottheiten. Die Götter waren im Leben der Menschen omnipräsent, was sich sowohl in den archäologischen Hinterlassenschaften als auch in den schriftlichen Quellen widerspiegle. Will man die Kultur der Antike verstehen, kommt man nicht darum herum, die Götter, ihre Geschichten und Riten näher kennenzulernen.

Mythen

In der griechischen und römischen Antike sind Mythen Erzählungen, die von der Entstehung der Welt und der Vorzeit berichten, ebenso Geschichten über Götter und Heroen. Die meisten Mythen gehen auf die Bronzezeit zurück und wurden mündlich überliefert. Auch haben viele Mythen ihren Ursprung im Vorderasiatischen Raum. Zu den ältesten niedergeschriebenen Mythen gehören die Ilias und die Odyssee des Homer, vermutlich aus dem 9. Jahrhundert v.Chr. Ab dem 5. Jh.v.Chr. wurden Mythen und historische Erzählungen niedergeschrieben, wobei nicht zwischen historischen Ereignissen und Mythen unterschieden wurde. Mythen waren Teil der kulturellen Vergangenheit. Mythen wurden auch bildlich, etwa in der Vasenmalerei und Plastik, dargestellt. Heute sind viel mehr bildliche Quellen erhalten als schriftliche Überlieferungen. Daher sind viele Mythen nur bruchstückhaft oder unvollständig bekannt. Die Mythen der Griechen wurden weitgehend von den Römern übernommen.

Theogonie – Die Entstehung der Welt

Die Entstehung der Welt wird in Hesiods Theogonie beschrieben (7. Jh.v.Chr.). Laut seinen Überlieferungen gibt es drei Generationen von Göttern. Zu Beginn existierte das Chaos, ein leerer Raum. Aus Chaos entstanden Erebos, die Finsternis; Nyx, die Nacht; Tartaros, ein personifizierter Teil der Unterwelt sowie Gaia, die Erde. Gaia gebärt Uranos, den Himmel; Ourea, die Berge und Pontos, das Meer. Gaia und Uranos zeugen zusammen eine Vielzahl von Gottheiten, darunter die Titanen, die Kyklopen und die Hekatoncheiren. Die Titanen sind die zweite Generation der herrschenden Götter, nachdem der Titan Kronos seinen Vater Uranos entthronte. Die Titanen Kronos und Rhea zeugen die Götter Hestia, Demeter, Hera, Hades, Poseidon und Zeus. Aus Angst, seine Kinder könnten ihn entmachten, verschlang er alle bis auf Zeus, der entkommen konnte. Dieser kam zurück, befreite seine Geschwister und stürzte Kronos. Zeus, seine Geschwister und Nachkommen bilden die dritte Generation der Götter.

Der griechisch-römische Götterpantheon

Die Gottheiten sind den Menschen sehr ähnlich. Sie sind zwar unsterblich, mächtiger, grösser und schöner als die Menschen, teilen aber auch viele menschliche Eigenschaften wie Freude, Liebe, Schmerz, Eifersucht und Leiden. Die wichtigsten Gottheiten sind die 12 Olympier, die ihren Wohnsitz auf dem Berg Olympus haben. Dazu zählen die fünf Geschwister Zeus, Hera, Hestia, Poseidon und Demeter sowie sieben Kinder des Zeus oder der Hera (Artemis, Apollon, Ares, Aphrodite, Hermes und Hephaistos). Die griechisch/römische Götterwelt ist sehr komplex, Gottheiten konnten über die Zeit hinweg ihren Zuständigkeitsbereich ändern, weitere Beinamen annehmen und mit anderen Gottheiten gleichgesetzt werden. Auch kam es immer wieder vor, dass Götter aus anderen Kulturen im klassischen Pantheon integriert wurden (z.B. Isis und Mithras bei den Römern). Der Götterpantheon der Griechen wurde in späterer Zeit grösstenteils von den Römern übernommen, wobei die Namen angepasst wurden.

Die wichtigsten Gottheiten

Griechischer NameRömischer NameAspekt und Zuständigkeitsgebiet
ZeusJupiterGöttervater, Gott des Himmels / Wetters und der Gerechtigkeit
PoseidonNeptunGott des Meeres und der Erdbeben
HeraJunoSchwester und Ehefrau von Zeus/Jupiter, Schutzherrin der Hochzeit und Ehe
DemeterCeresGöttin der Fruchtbarkeit und Landwirtschaft
HestiaVestaGöttin des Herdfeuers und des Hauses
AthenaMinervaTochter des Zeus und der Metis, Göttin der Weisheit und des (strategischen) Krieges, Stadtgöttin von Athen
ApollonApolloZwillingsbruder der Artemis, Sohn des Zeus und der Leto, Gott des Lichtes, der Sonne und der Künste
ArtemisDianaZwillingsschwester des Apollon, Göttin der Jagd, des Waldes, des Mondes, Herrin der Tiere
HermesMercurSohn des Zeus und der Maia, Bote der Götter, Gott der Reisenden, des Handels und der Diebe
HephaistosVulcanSohn der Hera, Gott der Schmiedekunst und des Feuers
AphroditeVenusGöttin der Schönheit, Liebe und Sexualität, Ehefrau des Hephaistos, Geliebte des Ares. Gemäss der Überlieferung des Hesiod ist sie die Tochter des Uranos, gemäss Homer die Tochter des Zeus
AresMarsSohn der Hera, Gott des Kriegs
DionysosBacchusSohn des Zeus und der Semele, Gott des Weines, der Feste und Ekstase
HadesPlutoBruder des Zeus, Herr der Unterwelt
PersephoneProserpinaTochter der Demeter, Göttin des Frühlings, Frau des Hades und Herrin der Unterwelt
ErosAmor, CupidGott der Liebe
AsklepiosAesculapiusGott der Heilkunst
HeliosSolGott der Sonne, in späterer Zeit mit Apollon gleichgesetzt
TycheFortunaGöttin des Glücks und des Schicksals
NikeVictoriaGöttin des Sieges
Iris Göttin des Regenbogens, Götterbotin
PanFaunusGott des Waldes, der Natur und Hirten
Eileithyia Göttin der Geburt
EirenePaxGöttin des Friedens
ThanatosMors, LetumBruder des Hypnos, Gott des Todes
HypnosSomnusBruder des Thanatos, Gott des Schlafes
HekateHecataGöttin der Hexerei und Magie
EosAuroraGöttin der Morgenröte
HeraklesHerculesHeros, Sohn des Zeus, wurde später zum Gott erhoben
Begriffe
Kyklopen: Einäugige Riesen
Hekatoncheiren: Ungeheuer mit hundert Armen
Heros: Helden, meistens Halbgötter, die besondere Taten vollbrachten. Zu den wichtigsten Heroen zählen unter anderem Herakles, Theseus oder Perseus.
Tartaros: Ein Ort im Hades (Unterwelt)
Literatur
Fink, G., Who’s who in der antiken Mythologie (München 2007)
Graf, F. Griechische Mythologie. Eine Einführung (Mannheim 2012)
Hesiod, Theogonie, hrsg. u. übers. von O. Schönberger (Ditzingen 2018)
Hölscher, T. Klassische Archäologie. Grundwissen (Darmstadt 2006)
Schwab, G. – Carstensen, R., Sagen der Griechen und Römer (Reutlingen 1994)

Letzte Änderung: 14.11.2020