Survey

Bodenbegehung

Der archäologische Survey gehört zu den zerstörungsfreien Methoden in der Archäologie. Durch Surveys können Fundstellen lokalisiert werden, ohne dass eine Grabung nötig ist. Oftmals dienen Surveys auch als Vorbereitung für Ausgrabungen, um herauszufinden, wo gegraben werden muss. Bei einem Survey, auch Oberflächenbegehung oder Erkundungsprospektion genannt, wird das Gelände zu Fuss abgegangen, um nach an der Oberfläche liegenden Artefakten zu suchen (Abb. 1). Bei einer Begehung wird das Gelände in ein Gitternetz (Grid) mit gleich grossen Abschnitten eingeteilt, die abgegangen werden. Dies ist die systematische Geländebegehung. Der Survey kann auch unsystematisch erfolgen, wo das Gelände ohne ein vordefiniertes Gitternetz abgesucht wird. In beiden Fällen wird nach ungewöhnlichen Bodenmerkmalen oder Artefakten gesucht. Artefakte kommen häufig durch Bodenerosion und landwirtschaftliche Tätigkeiten an die Oberfläche. Konzentrieren sich die Funde an einer Stelle, kann dies auf einen im Boden verborgenen Befund hindeuten. Surveys können jedoch keine Ausgrabung oder geophysikalische Untersuchung ersetzen, sondern dienen vielmehr zur Vorbereitung für weitere Untersuchungen.

Abb. 1: Bodenbegehung © Institut für Archäologische Wissenschaften, Universität Bern

Lufterkundung

Neben der Geländebegehung gibt es auch die Möglichkeit, das Gelände aus der Luft zu untersuchen. Befunde, die dicht unter der Oberfläche liegen, beeinflussen die Bodenfeuchtigkeit und das Wachstum der Pflanzen. Diese Merkmale erkennt man aus einer gewissen Höhe. So können aus der Luft ganze Gebäudegrundrisse erkennbar sein, die sich ohne eine Ausgrabung untersuchen lassen. Die Archäologen schiessen dabei Fotos in der Schrägperspektive von einem Flugzeug aus. Durch die Schrägperspektive können Lichteffekte besser wahrgenommen werden. Befunde an der Oberfläche (Ruinen, Grabanlagen, Wälle, Siedlungshügel) können als Schatten-, Flut- oder Schneemerkmal erkennbar sein. Ein Schattenmerkmal entsteht, wenn das Sonnenlicht bei geringem Sonnenstand schräg über den Befund scheint und einen Schattenwurf hervorruft. Unterirdische Befunde (Gräben, Dämme, Pfostenlöcher oder Gebäudefundamente) sind als Bodenverfärbung oder Bewuchsmerkmal erkennbar. Bodenverfärbungen entstehen, wenn die Erde unmittelbar um den Befund einen höheren Feuchtigkeitsgehalt aufweist als die umliegende Erde. Meistens werden Bodenmerkmale jedoch durch den Ackerbau zerstört. Bewuchsmerkmale entstehen, wenn eine in der Erde verborgene Mauer oder ein Graben den Vegetationswuchs stört oder verstärkt. Vegetation über einem Mauerwerk wächst aufgrund mangelnder Feuchtigkeit und Nährstoffen schlechter als über einem Graben, wo sich Feuchtigkeit und Nährstoffe sammeln (Abb. 2). Besonders in einem Acker mit Getreide sind Bewuchsmerkmale gut erkennbar (Abb. 3).

Abb. 2: Wie Bewuchsmerkmale entstehen
Abb. 3: Bewuchsmerkmale in einem Acker (Wikimedia Commons, CC BY 2.5)
Literatur
Bergemann, J., Archäologie. Was sie kann, was sie will (Hamburg 2000)
Hauptmann, A. – Pingel, V., Archäometrie. Methoden und Anwendungsbeispiele (Stuttgart 2008)
Hölscher, T. Klassische Archäologie. Grundwissen (Darmstadt 2006)
Renfrew, C. – Bahn P., Basiswissen Archäologie. Theorie, Methoden, Praxis (Darmstadt 2007)
Trachsel, M., Ur- und Frühgeschichte. Quellen, Methoden, Ziele (Zürich 2008)

Letzte Änderung: 21.11.2020