Was uns die Toten erzählen

Gräber und Bestattungen als Spiegel der Gesellschaft

Zu den wichtigsten Quellen aus der Bronzezeit gehören die Gräber. Viele bronzezeitliche Objekte stammen aus Gräbern, da diese als Beigaben in die Gräber gelegt wurden. Durch die Grabbeigaben, die Bestattungsart und die Toten selbst können viele Erkenntnisse zur Lebensweise der Menschen und dem Aufbau der Gesellschaft gewonnen werden.

Frühbronzezeit

Die Anzahl der Gräber aus der Frühbronzezeit ist im Gegensatz zu der mittleren und späten Bronzezeit eher gering. Bekannte Fundstellen in der Schweiz befinden sich unter anderem im Wallis (Sion Petit-Chasseur) und in der Region Thun. In der Frühbronzezeit wurden die Toten meistens in Steinkisten bestattet. Steinkistengräber sind aus grossen Steinblöcken konstruiert, die die Seitenwände und die Abdeckung des Grabes bilden (Abb. 1). Auch Kollektivbestattungen, wo mehrere Personen in einem Grab bestattet sind, kommen vor (Abb. 2). Die Toten wurden ohne oder mit einer geringen Menge an Beigaben, meistens Keramik und Bronzeobjekte, bestattet. Die Anzahl der Beigaben können den Wohlstand und der gesellschaftliche Status der bestatteten Person wiederspiegeln. Bei den Beigaben ist eine Geschlechterdifferenzierung erkennbar. Frauen wurden oft mit Gewandnadeln und Ringen bestattet, während in Männergräber häufig Beile, Dolche und Schmuckanhänger aus Tierzähnen und Stein zu finden sind.

Abb. 1: Grab 1 aus der Fundstelle Sion Petit-Chasseur VS. Die Person ist in der gestreckten Rückenlage bestattet (aus Gallay 1986b, Bocksberger 1978 in Hochuli, Niffeler, Rychner 1998)
Abb. 2: Das Grab aus Spiez-Einigen ist ein Beispiel einer Doppelbestattung (Aus Grütter 1980, Abb. 5, in Hochuli, Niffeler, Rychner 1998)

Mittelbronzezeit

In der Mittelbronzezeit sind Einzelgräber mit den Toten in der gestreckten Rückenlage die häufigste Grabform. Eine besondere Bestattungsform sind Hügelgräber, die in der MBZ aufkommen. Diese können monumentale Ausmasse von bis zu 30 m einnehmen. Die Gräber bestehen aus einer zentralen Grabkammer, die mit einer Aufschüttung von Stein und Erde bedeckt ist. In solchen Gräbern wurden Personen der Oberschicht bestattet, die einen hohen Rang in der Gesellschaft einnahmen. Diese Gräber waren auch mit reichen Beigaben ausgestattet, die eine Vielzahl von Waffen, Schmuck und Keramik umfassen. Männer wurden häufig mit Schwertern, Dolche, Beile, Pfeil und Bogen bestattet. In Gräbern von Frauen befinden sich mehr Gewandnadeln und Schmuck.

Spätbronzezeit

In der Literatur wird die Spätbronzezeit aufgrund der vielen Brandbestattungen auch «Urnenfelderzeit» (ein Begriff, der besonders in Süddeutschland gebräuchlich ist) genannt, da es einen Wandel von Körperbestattungen zu Brandbestattungen gab. Dabei wurde der Leichnam auf einem Scheiterhaufen verbrannt und in einer Urne beigesetzt. Personen der Elite wurden allerdings nach wie vor in monumentalen Grabhügeln bestattet.

EXKURS: Wie bestimmt man das biologische Geschlecht von Skeletten?

In der Erforschung von Gräbern stellt sich den Archäologen oft die Frage nach dem biologischen Geschlecht der Toten. Ob ein Grab einer Frau oder einem Mann gehört, kann natürlich nur gesagt werden, wenn das Skelett noch erhalten ist. Um das biologische Geschlecht zu ermitteln, werden verschiedene Methoden angewandt. Einerseits werden die morphologischen Eigenschaften des Skelettes untersucht. Dabei spielen insbesondere der Schädel und das Beckens eine wichtige Rolle, da diese Körperteile bei männlichen und weiblichen Skeletten unterschiedlich ausgebildet sind. Können die morphologischen Eigenschaften nicht bestimmt werden, kann auf die DNA-Analyse zurückgegriffen werden. Das biologische Geschlecht der Skelette lassen sich in vielen Fällen gut bestimmen. Allerdings kommt es auch vor, dass ein Individuum nicht eindeutig einem Geschlecht zugeordnet werden kann.

Literatur

David-Elbiali, M./ Hafner, A., Gräber, Horte und Pfahlbauten zwischen Jura und Alpen – Die Entwicklung elitärer sozialer Strukturen in der frühen Bronzezeit der Westschweiz. In: Meller, Harald & Bertemes, François (Ed.). Der Griff nach den Sternen. Wie Europas Eliten zu Macht und Reichtum kamen (Halle 2010) 217-238.
Hochuli, S./ Niffeler, U./ Rychner, V. (Hrsg.), Die Schweiz vom Paläolithikum bis zum frühen Mittelalter III. Bronzezeit (Basel 1998)
Primas, M., Bronzezeit zwischen Elbe und Po. Strukturwandel in Zentraleuropa 2200 – 800 v. Chr. (Bonn 2008)

Letzte Änderung: 05.12.2020